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Schafzüchter

Millpost Merino


Wenn man durch den Bodennebel, der Bungendore umhüllt, fährt und eine von Eukalyptusbäumen gesäumte Schotterstraße erklimmt, lässt der unscheinbare Eingang - ein Stahltor mit einem verrosteten Millpost-Schild und einem kleinen, grünen Naturschutzzertifikat – kaum darauf schließen, wie ernsthaft und intensiv man sich hier der Umwelt verschrieben hat. Millpost, eine Schaffarm in den südlichen Tablelands von New South Wales, befindet sich seit 1922 im Besitz der Familie Watson, die seit den Anfängen feinwollige Merinoschafe züchtet.

Früher wurde das Land konventionell beweidet und so wurde bis 1979 in die Verbesserung des Bodens nur begrenzt investiert. Damals hatte David Watson gerade sein Jurastudium an der Australian National University abgeschlossen und hatte nicht die Absicht, die Verwaltung der Farm zu übernehmen, auf der er aufgewachsen war. In seiner Anwaltskanzlei fiel ihm jedoch ein Buch in die Hände, das seine Einstellung änderte. Permaculture One, das wegweisende Buch von Bill Mollison und David Holmgren, ist eine visionäre Arbeit, die zeigt, wie man von Landwirtschaft leben und gleichzeitig die Qualität des Landes damit verbessern kann.

In Permaculture One erklären die Autoren, dass Permakultur „ein integriertes, sich entwickelndes System von mehrjährigen oder sich selbst erhaltenden Pflanzen- und Tierarten ist, die für den Menschen nützlich sind“. 1979 war dieses Konzept ein völlig neuer Ansatz für die australische Landwirtschaft. In den kommenden Jahren setzten Watson und seine Frau Judith Turley mit ihrer Herder feinwolliger Merinoschafe auf Millpost ein Permakulturkonzept um, das die gesamte Farm verändern und zum Muster einer breit angelegten Permakultur werden sollte. Gemeinsam mit seinen drei Söhnen – Harry, Roy und Murray – investierte das Paar so umfangreich in zahlreiche Initiativen, dass Millpost nach vierzig Jahren Permakultur jetzt ein sich selbst erhaltendes und vielfältiges Ökosystem ist, welches Land, Tieren und der Familie großen Nutzen bringt. Das umfassende Konzept umfasst die Implementierung einer durch Schwerkraft gespeisten, autarken Wasserversorgung, den Wiederaufbau der von Erosion und Abtragung betroffenen Böden sowie die Verbindung von Waldresten mit Windschutzstreifen sowohl für einheimische Wildtiere. Ferner gehört noch ein sehr breit angelegtes landwirtschaftliches Unternehmen mit Solarenergie, großen Gemüsegärten, Milchkühen und Hühnern dazu.

Die erste Phase des Wiederaufbaus begann 1979 mit der Einzäunung einer erodierten Schlucht und dem Anpflanzen von Vegetation um die Erosion herum, um die Heilung des Landes einzuleiten. Seitdem hat die Familie eine Vielzahl einheimischer Bäume wie Akazien, Kasuarinagewächse und Eukalyptusarten sowie Exoten wie Eichen, Pappeln und Weiden in Millpost gepflanzt, die zahlreiche Vorteile bringen.

Der erste Punkt, der mit den Bäumen angegangen wurde, war die Sanierung von Erosionsrinnen. In den 70er Jahren zogen sich offene Rinnen wie Wunden durch die Täler von Millpost. Die Familie machte sich daran, das Problem zu beheben, indem sie schnell wachsende exotische Bäume mit flachen Wurzeln anpflanzte, die den Boden zusammenhalten sollten, damit sich eine Erdkrume bilden und Weidepflanzen hier Wurzeln schlagen konnten. Ein weiterer Vorteil, den die Bäume mit sich brachten, war der Schatten, den sie dem Vieh spendeten, und den Schutz, den sie der heimischen Fauna boten. Auf jeder Weideflächen stehen verstreut alte und junge Bäume, sowohl einheimische als auch exotische. Eingezäunte Wildtierkorridore und Windschutzstreifen verbinden Restwälder und Baumsavannen, um den Schafen einen Unterschlupf zu bieten und Vögeln ein sicheres Überqueren des gesamten Anwesens zu ermöglichen. Dank dieser Schutzgebiete haben sich die einheimischen Vogelbestände vermehrt. Von vormals 50 gesichteten Arten ist die Zahl mittlerweile auf über 130 Arten gestiegen.

Zum Plan gehört auch eine bestimmte Beweidung, die dem Weideland in Millpost dabei helfen soll, sich wieder zu erholen. Zu diesem Zwecke führte das Paar ein ganzheitliches Management ein. Die Idee eines ganzheitlichen Managements stammt von dem südafrikanischen Landwirt Allan Savory, der in den 1960er Jahren dieses Konzept als Entscheidungsgerüst entwickelte, in dem sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und soziale Faktoren berücksichtigt werden. Die Beweidungsstruktur ahmt die von riesigen Herden wild lebender Tiere in Afrika nach. Diese Tiere grasen für kurze Zeit intensiv an einem Ort und ziehen dann weiter. So kann sich das Land wieder erholen. Übertragen auf australische Verhältnisse sieht das so aus: Große Schafherden bewegen sich über das Farmland. Dabei wird jede Weidefläche intensiv abgegrast und dann ca. sechs Monate im Jahr in Ruhe gelassen. Dieses Beweidungssystem hält Unkraut in Schach, fördert das Wachstum von Weidepflanzen und versorgt die Schafe das ganze Jahr über mit verschiedensten frischen Weidepflanzen. Das gibt vielen heimischen Weidepflanzen, Gräsern, Sträuchern und Bäumen die Möglichkeit, sich wieder zu erholen.

„Dass wir die Wolle, die wir produzieren, selbst tragen können, macht uns richtig glücklich – das ist mit das Beste, was wir erreicht haben.“

Eines der Schlüsselkonzepte der Permakultur ist die Idee der Autarkie, und Millpost hat diese Idee mit ganzem Herzen angenommen. Ein großer Gemüsegarten liefert frisches Gemüse der Saison und ein Obstgarten versorgt den Haushalt und – etwas widerwillig – auch die wilden Vögel mit Früchten und Nüssen. Es gibt einen mobilen Hühnerstall mit Mischlingshühnern, die den Haushalt mit Eiern versorgen. Eine kleine Herde Milchkühe versorgt die Farm mit Milch sowie Joghurt, Butter und Käse, wenn es zu viel Milch gibt. Eine stabile Wasserversorgung wurde 1984 durch die Verbindung eines großen Damms mit einer Reihe kleinerer Dämme oberhalb des Hangs hergestellt. So wurden verschiedene Wasserströme aufgefangen, die den Haushalt und den Garten ganzjährig mit Wasser versorgen. Es wurden Sonnenkollektoren installiert, um ausreichend Energie für die drei Haushalte und den Scherschuppen von Millpost zur Verfügung zu haben. Und in den Bungendore-Wintern heizen Kaminöfen die Häuser, die mit Brennholz, das vom eigenen Land kommt, befeuert werden.

Watson erklärt, dass man im Laufe der Jahre sehr viel experimentiert und daraus gelernt habe, was für die Farm funktioniere. Man sei ständig dabei, sich weiterzuentwickeln und dazuzulernen. In letzter Zeit hat das Land um Bungendore herum an Wert gewonnen und viele der Nachbarn sind inzwischen als Hobbyfarmer tätig. Da das Land an Wert gewonnen hat, ist der Familie klargeworden, dass sie ihre landwirtschaftliche Tätigkeit breiter aufstellen muss, wenn sie Millpost als ein funktionierendes und rentables Unternehmen weiterführen will. Ein lang gehegter Wunsch von allen war es, die Wolle, die ihre Merinoschafe abwerfen, in der Region zu belassen. Turley erläutert, wie enttäuschend es immer war, dass sie die Wolle nach dem Scheren nur noch einmal auf einer Auktion zu sehen bekämen, bevor sie dann ins Ausland versendet wurde. Weil sie das nicht wollten und weil das auch nicht im Einklang mit der Permakultur-Philosophie der lokalen Selbstversorgung war, entschied sich die Familie dazu, ihre landwirtschaftliche Tätigkeit zu erweitern und gründete Millpost Merino Yarn. „Dass wir die Wolle, die wir produzieren, selbst tragen können, macht uns richtig glücklich – das ist mit das Beste, was wir erreicht haben.”, sagt Judith.

Ella Edwards hails from a Merino wool growing property in southern New South Wales. After completing her Honours university degree, she has combined her passion for Merino sheep and the wool they produce with her skills in communications at The Woolmark Company.